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Sanctus

21. Februar 2010

Sanctus

Jessye Norman

singt Charles Gounod’s Sanctus

von der „Messe solennelle

de Sainte Cécile“

… Ein kleiner Vorgeschmack auf den Palmsonntag, aber auch ein kleiner Nachgeschmack auf die Geburt Jesu von Nazareth zu Bethlehem, auch wenn beide Szenen vollkommen unterschiedlich sind.

Während es zur Geburt außergewöhnlich still war, nur ein paar Hirten Zeugen der geheimnisvollsten Geburt des Königs der Juden waren und man sanft, leise, aber unüberhörbar das Sanctus vernahm, spielten sich beim Einzug des Königs (des Himmels und der Erde) tumultarige Szenen ab: Endlich kommt er, der Langerwartete, um mit den Besatzungsmächten kurzen Prozess zu machen und sie aus dem Land zu jagen. Endlich kommt er, der Vielgepriesene, von dem man sich hat sagen lassen, dass er Wasser zu Wein gewandelt, dass er Blinde sehend, dass er lahme gehend, dass er sogar Tote wieder zum Leben erweckt haben soll.

Palmzweige warfen sie ihm zu Füßen, ihre Kleider warfen sie vor ihrem König in den Staub. „Hosanna, der da kommt im Namen des Herrn!“ … um nur wenige Tage danach zu fordern, zu rufen, zu schreien: „Kreuziget ihn!“

Er ist NICHT gekommen, um Heerscharen um sich zu sammeln, damit sie die römische Besatzung endlich aus dem Land werfen können, denn seine Heerscharen sind die Himmlichen. Er ist nicht gekommen, um wie ein Magier durchs Land zu ziehen, um die Welt von seinen Heilungkräften zu überzeugen, denn er ist der Schöpfer jedes Einzelnen von ihnen. Er ist nicht gekommen, um von seinem Königreich, das ihm von Geburt an zu steht, Besitz zu nehmen, denn SEIN Königreich ist nicht von DIESER Welt.

Er ist zu Bethlehem geheimnisvoll geboren worden, er ist zu Jerusalem an diesem Tag feierlich eingezogen, um zu sterben. Der Kelch durfte an ihm nicht vorbei gehen. Alle Schmach, alle Schuld, alle Sünde der Welt schickte er sich an, auf sich zu nehmen, damit WIR davon befreit, damit WIR erlöst werden. Gott Vater brauchte keine zweite Sintflut über uns herein brechen zu lassen um uns zu bestrafen ob unserer Gottlosigkeit, denn ER gibt sich selbst hin in den Tod – als Opfergabe auf dem Altar des Kreuzes. Keine Liebe kann größer sein …

Wir im 21. Jahrhundert haben große Probleme, das Geheimnis des Todesofers Jesu nachzuvollziehen, selbst Bischöfe scheinen heutzutage Schwierigkeiten zu haben, ihren Gläubigen denn Sinn und vor allem die Wirkung des Leidens und Sterbens Jesu darzulegen. Aber selbst unter dem Kreuz, an dem der Heiland sein Leben aus Liebe zu uns ausgehaucht hatte – und so sein Werk „vollbracht“ hatte – verstanden es nur sehr wenige Seiner Zeitzeugen. Eine von ihnen war Seine Mutter, deren Herz wie kein anderes Mutterherz durchbohrt wurde. Aber SIE wußte schon von dem Augenblick, da der Engel ihr zu Nazareth den himmlichen Gruß entbot, dass ihr Herz sehr zu leiden haben werde. Sie wußte schon bei der Geburt zu Bethlehem, dass ihr Herz sehr schmerzen werde. Sie wußte bei der Auffindung Jesu im Tempel zu Jerusalem, dass ihr Mutterherz durchbohrt werden würde. Und unter dem Kreuz … sie wußte.

Bitten wir Sie, die allerseligste Jungfrau und Mutter, uns teilhaben zu lassen an ihrem Wissen – und an ihrem unsagbaren Schmerz.

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