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Zwanzig Jahre Staatsoberhaupt

13. November 2009
Wappen des Fürstentum Liechtenstein
Heute kann Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein sein 20. Regierungsjubiläum feiern. Am Todestag seines Vaters, am 13. November 1989, wurde er aufgrund der Verfassung und der Hausgesetze dazu berufen, die Regentschaft zu übernehmen

Vaduz. – Aus Anlass des 20. Regierungsjubiläums werden heute Vormittag Regierungschef Klaus Tschütscher und Landtagspräsident Arthur Brunhart dem Landesfürsten im Rahmen eines kleinen Gratulationsempfangs auf Schloss Vaduz die besten Glück- und Segenswünsche im Namen der Regirung und der Volksvertretung überbringen.

Fürst Hans-Adam II. begeht heute sein 20. Regierungsjubiläum: «Ich glaube, dass die Monarchie im 21. Jahrhundert nicht nur in Liechtenstein, sondern weltweit eine wichtige Rolle spielen wird.» (Bild Daniel Schwendener)

Politische Kontinuität

Heute vor 20 Jahren, 26 Tage nach dem Heimgang von Fürstin Gina, starb auch Fürst Franz Josef II.. An diesem Tag wurde Erbprinz Hans-Adam zur Nachfolge berufen. «Wir waren auf den Tod meiner Eltern vorbereitet, denn sie waren schon seit einiger Zeit krank. Die Regierungsgeschäfte hatte ich de facto schon einige Jahre davor aufgrund der Stellvertretung übernommen», erinnert sich Fürst Hans-Adam II. im Gespräch mit dem «Vaterland» an diese schweren Tage im Herbst 1989.

«Was die Politik betrifft, so gibt es, glaube ich, nur wenig Unterschiede zwischen meinem Vater und mir. Wir haben uns beide bemüht, die Souveränität des Landes und dadurch auch das Selbstbestimmungsrecht seiner Bevölkerung international möglichst gut abzusichern und die liechtensteinische Wirtschaft zu entwickeln, um den Wohlstand der Bevölkerung zu vermehren», erklärt der Landesfürst.

Fürstliches Vermögen reorganisiert

Angesprochen auf die wichtigsten Ziele, die er in den vergangenen 20 Jahren erreicht hat und worauf er mit einem besonders guten Gefühl zurückblickt, sagt Fürst Hans-Adam II.: «Die erste und wichtigste Aufgabe war zweifellos die Reorganisation und der Wiederaufbau des Fürstlichen Vermögens, mit dem ich schon 1970 begonnen hatte.» Ein weiteres wichtiges Ziel, das der Landesfürst erreichen konnte, war ein neues Hausgesetz für das Fürstenhaus.

Mit Optimismus in die Zukunft

Mit seinem konsequenten Engagement für den Uno- und EWR-Beitritt gelang es dem Fürsten zudem, «die Souveränität des Staates und das Selbstbestimmungsrecht seiner Bevölkerung möglichst gut abzusichern.» Der Höhepunkt sei für ihn aber zweifellos die Verfassungsreform gewesen: «Ich konnte dort im Wesentlichen jene Verfassungskonzepte verwirklichen, die meiner Meinung nach für einen Staat im dritten Jahrtausend entscheidend sein werden.» Was die Wirtschaftskrise und die aktuellen Finanzplatzprobleme betrifft, so gibt sich der Landesfürst dennoch zuversichtlich, «dass wir auch in den nächsten Jahrzehnten einen erfolgreichen Finanzplatz haben werden». Dies bedinge natürlich strukturelle Anpassungen im Bereich des Staates und der Finanzdienstleister. (güf)

aus: Vaterland.li

siehe auch: Monarchie der Zukunft

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10 Kommentare

  1. Fürst Adam II mag auf der einen Seite ein klassischer Monarch alter Schule sein, auf der anderen Seite ist er in seinem beschaulichen Volk ja nicht unumstritten. Dies bezieht sich ja in erster Linie auf seine Reformen die laut seinen Kritikern keine fortschrittliche Reformen darstellten, sondern vielmehr monarchische Machtsicherung.

    Ich denke, mit seinem Beitritt zur UNO usw kam er seinen Bürgern dafür durchaus entgegen.

    Aus religiöser Sicht fragwürdig seine Rolle hinsichtlich Bischof Wolfgang Haas. Denn mochte man hier in der Schweiz nicht mehr, dafür sind schweizer Katholiken zu „aufmüpfig“ und es klafft eine grosse Schere zwischen den Traditionalisten und Modernisten unter ihnen.

    Bedeutete es für Adam II eine Genugtuung nun ein eigenes Bischoftum zu beherbergen? Zudem noch geführt von einem ebensolchen Traditionalisten wie Erzbischof Wolfgang Haas?

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  2. Sehen Sie, leiber Genussdenker, so können Meinungen auseinander gehen 🙂 Während Sie Seine Durchlaucht als konservativ oder sogar rückständlich bezeichnen, sehe ich ihn als konservativ im besten Sinne des Wortes. Einige Werte können doch nicht – wie in allen Ländern rundherum – über Bord geworfen werden. Und dem Zeitgeist darf man auch nicht um Gedeih und Verderb hinterher rennen. So schön und nützlich der Fortschritt auch sein mag, er darf aber nicht das (Seelen-)Heil der Nation kosten.
    Und dass Seine Exzellenz Erzbischof Haas im Fürstentum Liechtenstein residiert, macht ihn und vor allem Seine Durchlaucht und das Fürstentum Liechtenstein für mich NOCH sympathischer 🙂

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  3. Ja, so weit können Meinungen auseinander gehen 🙂
    Und ich hätte dies nun nicht geschrieben, wären nicht ihre letzten Worte (bezüglich ErzB. Haas)

    Denn im Übrigen stimme ich ihnen zu. Es verhält sich gemäss meiner Antwort auf Ihren neueren Artikel obig.
    Es stellt noch kein Wert dar, kategorisch entweder für oder gegen Tradition oder Fortschritt zu sein.
    Und auch da erinnere ich : Fortschrit ist Tradition. Und so ist auch Tradition Fortschritt.

    So habe ich gar nichts gegen eigentliche „Rückständlichkeit“, nichts gegen Konservatisismus. Denn immerhin kann das auch im Sinne von Rückbesinnung gemeint sein.

    Dem zu Grunde liegt „die Ergündung der Ursprünglichkeit“. Ja, und diese durchzieht nicht nur sämtliche Disziplinen von Geisteswissenschaften und naturwissenschaften, sondern auch Lebensbereiche.

    Hätte Erzbischof W. Haas grossen, durchdringenden Erfolg mit seiner Rhetorik, so würde er diese Entwicklung nicht als „Fortschritt“ werten?
    So sieht man wie sich die Begriffe die wir uns so gewohnt sind, in ihrer Bedeutung relativieren . . .

    Erzbischof Wolfgang Hass besitzt ein ausgeprägtes sog. apokalyptisches theologisches Verständnis. Ich habe schon Aussagen von ihm gelesen, da hätte man beinahe meinen können, es handle sich um einen neuapostolischen Evanelisten wie sie in umstrittenen Freikirchen anzutreffen sind. Mit seinem Bestreben zur mehr Nähe zum Staat wird nun auch mehr klar, wofür dem Bischof sein Bistum nutzt. Sollte sich da herausstellen, dass sich Monarchie (Fürst AdamII) und Kirche (ErzB. W. Haas) wieder mehr verzahnen sollten wie es in Europa einst der Fall war, wüssten wir auch mehr um die Beweggründe des Fürsten. Diese enge Verzahnung von Staat und Religion aufzuheben, war einst edles und sinnvolles Ziel der Aufklärung.

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  4. Ich muss gestehen, verehrter Herr Genussdenker, dass ich nicht ganz im Bilde bin, ob es da zwischen S.D. Fürst Hans Adam II. und S.Ex. Erzbischof Wolfgang Haas in Vaduz Bestrebungen gibt, Kirche und Staat zu vereinigen. Wenn dem so WÄRE, würde ich es mit größtem Interesse verfolgen wollen. Denn: Was spricht denn dagegen?
    Oder anders: Was haben die soganannten „Aufgeklärten“ und die „Aufklärer“ wirklich errungen mit ihrer Trennung von Kirche und Staat?
    Freiheit!
    Man meint, damit endlich die Freiheit errungen zu haben, dabei herrscht nur Chaos und Unzufriedenheit. In Deutschland und Europa versucht man krampfhaft, alle Entscheidungen unter völliger Missachtung der religiösen und ethischen Gesetzmäßigkeiten zu treffen – und meint damit, den Gipfel der Freiheit erklommen zu haben – ohne zu bemerken, dass man eigentlich ziemlich tief gesunken ist.
    Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will keine Theokratie á la Iran, aber politische Entscheidung ohne Moral, Ethik und ohne Religion ist keine Freiheit.
    Viele Freiheiten, die wir in den letzten 60 Jahren in der Bundesrepublik errungen haben, gehen auf Kosten vieler. Wir bekommen kaum noch mit, dass wir mit mehr und Mehr verboten zu tun haben, damit die Freihei Weniger nicht angetastet wird. Und wenn und dann, nach ca. 1700 Jahren Christentum in Europa, verboten wird, in öffentlichen Gebäuden ein Kruzifix aufzuhängen, dann Frage ich mich schon, wie weit es mit unserer Freiheit gekommen ist …
    „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und gebt Gott, was Gottes ist“ ist kein Aufruf, Kirche und Staat zu trennen, denn in gewisser Weise MÜSSEN Kirche und Staat kooperieren, zum Wohl des Menschen, zum Wohl seiner Seele.

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  5. Ihre Argumente haben zweifellos Gehalt.
    Doch, nur sollte man unterscheiden, was den damaligen, historischen Aufklärern im Sinne stand und um den heutigen Zusand. Es heisst also nicht zwingend, dass die damaligen Aufklärern den heutigen Zustand im Sinne hatten. Und ich bezweifle es sogar.

    Was sie zum heutigen Zustand meinen, es gibt die Erkenntnis : „Je freier eine Gesellschaft desto mehr Gesetze hat sie.“ Das ist klar auf die Interessewahrung der Individuen und der Institutionen zurückzuführen.

    Ich bin selbst ein Verfechter der Religions-Präambel in der Verfassung (die Schweiz hat so eine). Auch ich bin überzeugt das Staat und Religion nicht voneinenader losgelöst/getrennt sein darf.
    Doch eine Verzahnung ist etwa anderes. Auffäligstes Merkmal dabei im Zusamenhang mit röm.kath. Kirche & Monarchie : es handelt sich dann um zwei hierarchische Systeme welche
    1. Die Kriterien für ihre Ämter selber definieren
    2. Ihre Ämter sogenannt „genealogisch“ besetzen.
    Bleiben diese beiden Systeme weitgehendst unabhängig, so hat das Sinn.
    Verzahnen sie sich eng, so beschwört das Konflikte herauf die bei den Unbeteiligten ausgetragen werden.

    Ob unsere moderne Dekade wirklich frei ist, wie „wir“ meinen, ist gar nicht mal so sicher. Da erinnere ich gerne an Sören Kirkegaard und Erich Fromm.
    Und selber würde ich sogar meinen, dass wir zu sehr mit unseren Strukturen beschäftigt sind, um wirklich frei zu sein.
    Und es stimmt, das es Religion braucht, um moral-ethische Werte überhaupt legitimiert zu definieren.
    Doch, in ihrem Anspruch auf Ursprünglichkeit erweisen sich diese Werte dann doch nicht so konstant. Und sich oftmals zu sehr in Konkurrenzverhältnisen verstrickt, als dass auch sie aus ihrer „Gegenwärtigkeit heraustreten“ vermögen.

    „Wie kann sich der Mensch frei wähnen, wenn er doch orientierungslos ist?“, frage ich mich.
    Und das ist er nicht erst seit gestern, sondern war es schon immer. Was sein Wandel durch die Geschichte erklärt. Nur gestaltet sich diese Orientierungslosigkeit heute anders als es zu anderen Epochen war.
    Es ist durchaus verständlich, sich Zustände, Strukturen herbeizusehen, in denen mehr Eindeutigkeit herrschte.

    Doch, ich finde der Mensch muss halt wieder über die nächste Hürde stolpern um den nächsten Schritt zu ereichen. Und es scheint, als meine er entweder die guten Werkzeuge verloren zu haben, oder sie erst neu finden zu müssen. Dabei hat er sie nie verloren und muss sie auch nicht erst finden. Sondern : sie erkennen und mit ihnen arbeiten.

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  6. „Wie kann sich der Mensch frei wähnen, wenn er doch orientierungslos ist?“

    Da haben Sie ja einen Satz in den Raum geknallt, der prägnanter gar nicht sein kann. „WIE KANN SICH DER MENSCH FREI WÄHNEN, WENN ER DOCH ORIENTIERUNGSLOS IST …“ – muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und ein Anhängsel fiel mir dazu spontan dazu ein: „… UND GAR NICHT WEISS, WAS FREHEIT WIRLICH IST!“

    Ich muss konstatieren, dass unsere Ansichten vielleicht DOCH nicht SOOO weit auseinander gehen, verehrter Genussdenker, so zum Beispiel im Fall Beziehung Religion/Staat. Auch die Präambel der Bundesrepublik fängt hoheitsvoll an: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und dem Menschen …“. Ich liebe diesen Satz, doch wenn ich die Augen öffne, wenn ich die Zeitungen lese und die Nachrichten schaue, frage ich mich, ob man sich dieser enormen Verantwortung wirklich bewusst ist. Hier ist die Kirche wieder gefragt, um an diese Verantwortung zu gemahnen. Dass tatsächlich nur (relativ) gut funktioniert, wenn Staat und Kirche zwar getrennt, aber in einer gewissen „Partnerschaft“ leben, versteht sich von selbst, von daher würde ich eine „Verzahnung“ Kirche/Staat auch nicht bevorzugen. Nur die Situation in unserer „aufgeklärten“ Gesellschaft ist doch mittlerweile so, dass sie Kirche keine Stimme und kein Gewicht mehr hat, und die Kirche scheint sich in ihrer zunehmenden Bedeutungslosigkeit auch noch wohl zu fühlen. Ist SIE, die Kirche, sich denn ihrer Verantwortung vor Gott und dem Menschen bewusst?

    Bevor die Diskussion in eine vollkommen falsche Richtung driftet, komme ich zurück zur Freiheit. Es gibt heute (so gut wie) keine Schranken, weder politische noch religiöse. Und es gibt, wie Sie so schön schrieben, keine „Eindeutigkeiten“ mehr, nach denen sich der Mensch richten könnte. Denn (man muss es soch mal klar und deutlich sagen!) der Mensch KANN mit Freiheit(en) nicht umgehen, er BRAUCHT Richtlinien, um richtig frei zu sein. Wenn er tun und lassen kann, was er will, wie will er denn wissen, ob das, was er tut, auch wirklich gut oder ungut ist? (- hier nähere ich mich schon Ihrer Argumentationsschiene).
    Jede Gesellschaft, sich sich als „frei“ proklamierte, erwies sich im weitesten Sinne als Diktatur. Und eine WIRKLICH freie Gesellschaft endet im Fiasko und im Chaos … Aber das kann man ja bei diversen Philosophen und Staatstheoretikern lesen – da bin ich (leider) nicht der Fachmann.
    Ich selbst … ich betrachte mich als frei – und glücklich dabei, weil ich mich bedingungslos der 2000 Jahre alten Kirche und ihren Gesetzen unterwerfen darf. Denn nur die Wahrheit macht frei, wie es im Johannesevangelium heißt und was ich auch zu meinem Wappenspruch ausgewählt habe („Veritas vos liberavit!“). Also liegt es an jedem einzelnen von uns, die Wahrheit zu erkennen und sie zu leben, um in Freiheit zur Freiheit zu gelangen, das nur DURCH Gott, MIT Gott und IN Gott zu finden ist.

    [Bitte verzeihen Sie meine letzten pathetischen Worte – manchmal habe ich solche Anwandlungen :D]

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  7. Ich bin Ihnen mit Dank über Ihre ausführliche Antwort verbunden.

    Die Frage darüber was Freiheit ist und soll, wird man wohl nie richtig beantworten können.
    Warum nicht? – auf der einen Seite des Begriffes steht das Element „Entfaltung“. Stellvertretend für die Bedürfnisse der Individuen.
    Auf der anderen Seite steht die Kongruenz. Die pluralistische Vereinbarkeit. Doch, und das ist der eigentlich springende Punkt – alle Argumentation, alle Begründung betreffend Kongruenz/pluralistische Vereinbarkeit gründet in den ursprünglichen Bedürfnissen.

    Das alles heisst : es kann keine „Wahrheit“ darüber geben, was denn diesbezüglich richtig sein soll. Das Einzige das wir wissen : „Freiheit“ meint eigentlich „EntscheidungsFreiheit“.

    Genauso wie wir gewahr sind, das Gerechtigkeit, Vernunft, Logik und Wahrheit sich nicht immer nahtlos ergänzen, nicht immer eine Kongruenz bilden, verbietet die Annahme einer absolutistischen, übergeordneten Moral-Instanz. Denn Moral ist veränderlich, kaum jemand weiss das besser als „die“ Kirche.

    Auch und gerade anhand unser monotheistischen Religion erkennen wir diese Tatsache. Denn je ursprünglicher und basaler die Moral-Werte, desto unausgereifter die institutionelle Religion. Bereits beim Blick in die Bibel sehen wir, dass die allgemeinsten, immerwährendsten und (für mich) heiligsten Werte zu einem Zeitpunkt fest standen, als es den institutionellen Monotheismus noch nicht gab. Exemplarisches Beispiel die 10 Gebote. Sie sind nicht nur unwiederrufbar, sondern bilden auch die Basis alles späteren Wertens durch den Menschen.

    Die heutige Kirche? Die traditionellen, alten Kirchen? Auch sie leben im Zeitgeist, wenn auch unter ihren Belangen und Gesichtspunkten. Ich denke nicht, dass wir von ihr mehr erwarten dürfen, als es die Zeit vermag.

    Wenn auch „überzeugter Zwinglianer“, so darf ich sagen, dass die obersten Würdenträger der alten Kirchen unserer Dekade mehr an Weisheit mitbringen, als es ihnen in der breiten Öffentlichkeit attestiert wird. Es mag verwundern, doch für mich nicht mal auf theologischer Ebene, als auf philosophischer Ebene. Ihnen ist die Aufgabe gestellt, die Tradition in die Zukunft zu tragen. Doch : ist nicht nur diese Definition eine Falsche? Wenn doch Wahrheit Wahrheit ist und sie doch feststehen sollt : weshalb dann diese Anpassungen? Weshalb dann nicht die Gewissheit? Weshalb diese ja unablässigen Neu-Anpassungen? Mögen sie auch im Namen des Ursprung definiert sein, so sind sie doch Neurientierung und Tribut an die Zeit, an die Gegenwärtigkeit. Denn auch die Kurie kann sich nicht anders als an der Gegenwärtigkeit orientieren.

    Und nun, wie möchte man dann von eben dieser in allem Respekt und Würdigung vor Tradition verlangen, das sie die Moral-Werte unverändert in die Zukunft trägt?
    Und plötzlich, man siehe : auch die Kirche, unsere älteste Institution nimmt sich das Recht der EntscheidungsFreiheit . . . .

    Damit schliesst sich dieser Kreis und man könnte dies weiterführen auf’s Thema Monarchie.

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  8. Wenn Seine Durchlaucht Fürst Hans Adam II. wüsste, wohin unsere Diskussion ÜBER ihn uns geführt hat – fast bis hin zu Adam und Eva 😀
    Immerhin waren sie eigentlich die EINZIGEN freien Menschen der Welt, auch wenn es „nur“ biblische Gestalten waren. Aber selbst IHNEN hatte der Schöpfer in all ihrer Freiheit EINES verboten: vom Baum der Erkenntnis zu naschen, zu kosten, zu propieren, … Er überlies ihnen nicht die Entscheidung, ob oder ob nicht, er hat es ihnen verboten!
    Dennoch haben sie sich die Freiheit genommen, gegen das ausdrückliche Verbot des Schöpfers zu handeln. Ergo: Adam und Eva waren frei – in JEDER Hinsicht … und DOCH waren sie nicht frei.

    Also gibt es in der Tat keinen freien Menschen – sowohl im Singular als auch und vor allem im Plural. Wenn ich mich jetzt nicht GANZ täusche, wird die Geschichte der Menschen seit knapp 6000 Jahren aufgezeichnet, es können aber auch ein paar Wochen oder Monate mehr sein 🙂
    Mich würde mal interessieren, wie ein Theologe, ein Philosoph, ein Anthropologe, ein Soziologe, … diese Geschichte beurteilt. Ich denke doch, dass das Urteil für den Menschen (global gesehen) recht unvorteilhaft ausfällt. So wie manch einer von uns sehr gerne von einem Fettnäpfchen ins andere tritt, so stolpert der Mensch (immer noch im Plural) mit Vorliebe von einer Katastrophe in die nächste, so dass einem wirklich der Gedanke kommt, dass der Mensch nicht anders KANN, als seine Freiheit(en) zu missbrauchen zu Ungunsten der Freiheit des Anderen. MEINE Freiheit z. B., mein Auto auf der Autobahn mit 250 km/h zu peitschen, nimmt meinem Nächsten, den ich notgedrungen etwas drängeln muss, nicht nur SEINE Freiheit, ich nehme ihm ggf. sogar sein Leben.
    Die Kirche sprach ja – lang lang ist’s her – davon, dass die Erde für den Menschen nur ein Jammertal wäre, nur ein Durchgang, ein Korridor sozusagen, durch das wir durch müssen, wenn wir eines Tages die ewige und glückseligmachende Herrlichkeit Gottes schauen wollen. Das Ziel des Menschen ist, so die Kirche, nicht, auf dieser Erde unser Glück zu suchen, sondern auf das Glück im Himmel zu warten. Finde ich (wen wundert’s?) ganz vernünftig, denn das, was wir hier auf der Erde erhoffen und versprochen bekommen, werden wir NIE erhalten, WENN wir uns von Gottes Vorgaben, von Seinen Ge- und Verboten distanzieren, wenn wir uns sogar einen anderen Gott schaffen, der uns den „Himmel auf Erden“ verspricht, wenn wir uns auf Kosten des Anderen unsere Freiheit ausleben, … NUR die Wahrheit wird uns frei machen!!! Aber ob wir diese Wahrheit auf diesem unserem Erdenrund finden werden …?

    [Ich hoffe, SIE, werter Genussdenker, und Seine Durchlaucht, Fürst Hans Adam II., verzeihen mir, dass ich schon wieder sehr weit ausgeholt habe, aber ich war gerade so schön in Schwung … hi hi hi … :D]

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  9. Es ist durchaus begrüssenswert, wenn Sie ausgiebig ausführen, Herr Hoffmann. Und ich denke, angesichts der Qualität unserer Konversation hätten die genannten Herren nichts dagegen.

    Ja, mit der Schöpfungsgeschichte befasste ich mich tatsächlich schon mehrere Male. Sie ist von einer Schönheit, einer „Dramaturgie“, Ästhetik und viledeutiger Sinnerfülltheit, so dass es kaum möglich scheint, von Menschenhand verfasst geworden zu sein.
    Ihre Intention das Vehältnis zwischen Adam/Eva und Gott im Gesichtspunkt „Freiheit“ zu betrachten, finde ich löblich, schlage jedoch vor, sich nicht darauf zu beschränken.
    Die Ausweisung aus dem Paradies als Beleg für die Willensfreiheit allsamt ihrer Tragik und Schicksalshaftigkeit zu deuten, scheint plauslibel.
    Wenn wir Gott uns für diese Vergegenwärtigung personifiziert vorstellen, so müssten wir auch eigestehen, dass Gottes Weisheit die „Fehlhandlung“ Adams/Evas vorausgesehen haben muss.
    Die spätere Bindung an Gott ist für mich ein Beleg dafür, das dem so war.
    Gerade weil Willensfreiheit auch Fehlentscheidungen miteinschliesst, passte dies aus der Folge nicht mehr in’s Paradies. Vielleicht sah Gott anhand des „Apfelgriffs“ auch die Fähigkeit zur Verantwortung welche Freiheit eben bedingt.

    So haben wir gerade heute ein exemplarisches Beispiel. Heute in der Schweiz. Wie’s scheint, wurde die Initiative des Minaretts-Verbot angenommen. Kein Monarch der darüber entschied, kein Krieg der deswegen viele Opfer forderte, nein, demokratisch von den Bürgern an der Wahlurne so entschieden.

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  10. Was die Entscheidung der Schweizer betrifft, so habe ich mittels eines eigenen Beitrages hier in diesem Blog ja meine Stellung bezogen. Ich wollte es nicht wahr haben, aber die Schweizer haben (unbewusst) ein deutliches Zeichen in die Welt gesetzt.
    In einem Punkt muss ich den schweizer Bischöfen – wenn auch grummelnd, so doch immerhin – Recht geben: Die Beziehungen zwischen Christen und Moslems gerade im Einzugsbereich des Islam wird eine Schwierigere werden.
    Die Freiheit der Religionsausübung ist in der Tat ein hohes Gut, doch als Christ habe ich mich erst einmal darum zu sorgen, dass MEINEM Gott der nötige und gebührende Respekt entgegengebracht wird, damit ich auch einem Anderen diesen Respekt zugestehen kann. Respekt ist eine bi-laterale Angelegenheit. Wenn „Dialog“ und „Respekt“ – wie von der Schweizer Bischofskonferenz von den Christen (NICHT von den Moslems!) fordert, einseitig ist, ist es kein Dialog und erst Recht kein Respekt – dann ist es Schleimerei … auf Kosten des Christentums und der Heiligen Kirche.

    [Bitte verzeihen Sie, dass ich aufgrund eines Stichwortes (wieder mal) schwer vom Thema abgedriftet bin :)]

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