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Sieben Freuden des Priesters

15. Oktober 2009

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Sieben Freuden des Priesters

bei der Heiligen Messe

P. Dr. Hubert van Dijk OSC

1. Die erste Freude des Priesters ist es, das heilige Meßopfer darbringen zu dürfen.

Die Kirche hat keinen größeren Reichtum hier auf Erden, keinen größeren Schatz, keinen größeren Segen, als die heilige Eucharistie. Wenn die Welt, trotz allen Verrates und aller Sünde, immer noch besteht, dann geschieht dies allein durch die Gnade der heiligen Messe.
Die heilige Messe ist die Sonne, die täglich über der Schöpfung aufgeht. Ohne sie würde die Schöpfung erfrieren und sterben.
Der Priester darf nun durch Gottes unausschöpfliche Güte, umgeben von einer großen Schar von Engeln, getragen vom Gebet zahlloser Gläubiger nah und fern, vor den Thron Gottes hintreten und die heiligen Geheimnisse feiern, die Himmel und Erde miteinander versöhnen.
Dadurch läßt er, wie Moses in der Wüste, aus dem Felsen einen Brunnen entspringen, aus dem alle ihren Durst löschen können, und aus dem überall in der Natur das Leben erblüht, Schönheit und Fruchtbarkeit, zur Ehre Gottes und zum Heil von Unzähligen.
Kein Amt ist für die Welt so notwendig wie das Priesteramt. Die „Nachfolge Christi“ (IV, 5) sagt mit Recht: „Im heiligen Opfer verherrlicht der Priester Gott, er erfreut die Engel, erhöht die Kirche, stärkt die Lebenden, gewährt den Toten Frieden und gewinnt selbst Anteil an allen Gnaden.“

2. Die zweite Freude ist das Einswerden mit seinem Herrn und Gott.

Der Glaube lehrt uns, daß der Priester das heilige Opfer in persona Christi („in der Person Christi“) feiert. Er bringt das heilige Meßopfer nicht allein kraft der ihm vom Herrn erteilten Sendung dar, nicht allein im Namen des Herrn, im Gehorsam ihm gegenüber, sondern „in der Person des Herrn“. Das ist ein großes Geheimnis: Im Augenblick der Konsekration von Brot und Wein kann man den Priester nicht mehr trennen von seinem Herrn: der Herr selbst wirkt in ihm, der Herr ist mit ihm, er ist im Herrn.
Wenn er sagt: „Das ist mein Leib“, „das ist mein Blut“, dann spricht der Herr diese Worte in ihm und durch ihn.
Von der Einigkeit des Bandes zwischen Herrn und Diener kann man sich keine Vorstellung machen: es ist, als würden die Grenzen zwischen dem Herrn und dem Diener verschwimmen.
Es ist nicht so, als würde der Priester einfach verschwinden, um dem Hohepriester – Christus – Platz zu machen. Er muß sprechen, er muß den Willen haben, das Opfer zu feiern; ohne das würde es nicht zustande kommen.
Jede Konsekration müßte für den Priester ein niederschmetternder Augenblick sein.
Er sollte erkennen und sich dessen von Tag zu Tag tiefer bewußt werden, wie unwürdig er ist, und Gott dennoch solche Dinge durch ihn und an ihm vollbringt. Und zugleich darf er jubeln bei dem Gedanken, daß er in diesem einen glorreichen Augenblick, an diesem wahren Höhepunkt seines Priesterlebens, durch die geheimnisvolle Einheit mit seinem Herrn in den Augen des Vaters von göttlicher Schönheit ist: der Vater sieht dann im Antlitz des Priesters die Spuren seines einziggeliebten Sohnes. Dem Sohn – und um des Sohnes willen -, dem Priester, und – durch diesen und um dessentwillen – dem gläubigen Volk wird er die Versöhnung nicht verweigern können, sondern ER wird Segen über Segen schenken in unermeßlichem Überfluß.
0 Demut des Sohnes Gottes, o Liebe des Vaters, o Erhabenheit des Priestertums! Ein Leben lang studieren und Opfer bringen als Vorbereitung auf die Priesterweihe – und dauerte diese Vorbereitung auch Jahrzehnte – wäre kein zu hoher Preis, um nur ein einziges Mal die heilige Messe feiern zu dürfen. Wie richtig sagt es hier von neuem die „Nachfolge Christi“: „Hättest du selbst die Lauterkeit der Engel und die Heiligkeit eines Johannes des Täufers, du wärest dennoch nicht würdig, dieses Sakrament zu verwalten.“ (I. c.)

3. Die dritte Freude des Priesters ist es, daß er seinen Herrn in Händen halten darf.

Vielleicht wird dem sinnenhaften Aspekt der Eucharistie etwas zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Es ist deutlich, daß wir hier einem großen Geheimnis gegenüberstehen.
Was wir sinnenhaft in den Gestalten von Brot und Wein erleben, ist ja nicht die eigentliche Beschaffenheit des heiligen Menschseins unseres Herrn, aber die Wirklichkeit ist deshalb nicht weniger echt. Es ist der Herr, und der Priester darf IHN tragen. In seinen Händen vollzieht sich das große Wunder der Transsubstantiation, der Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn. Wenn er die Worte ausspricht, kommt der Geist Gottes sowohl über die Person des Priesters als auch über die Gaben: seine Worte erhalten die lebenweckende Kraft, und unsichtbar vollzieht sich das Geheimnis, auf eine Weise, die vergleichbar ist mit dem Geheimnis der Menschwerdung, in der Kraft der Überschattung durch Gottes Geist. Wie sollte der Priester hier nicht erfüllt sein von einer großen Ehrfurcht und zugleich von einer großen Freude angesichts dieser unbegreiflichen Nähe Gottes!
Der Apostel Johannes war noch nach vielen Jahren ganz im Bann des Mysteriums der Menschwerdung. Sein erster Brief gibt Zeugnis davon: „Was von Anfang an war, was wir gehört und mit unseren Händen berührt haben; ich meine das Wort des Lebens, das verkündigen wir euch“ (l Joh 1,1).
Hier müssen wir bei mystisch begnadeten Priestern in die Schule gehen, bei einem Pfarrer von Ars. Der heilige Pfarrer wußte, wovon er sprach, als er einmal seine Meinung äußerte: „Die Ursache der Erschlaffung der Priester ist darin zu finden, daß sie die heilige Messe so gedankenlos feiern.“ Was würde er wohl in unseren Tagen sagen über all das, was Priester und Gläubige meinen, sich dem Allerheiligsten – dem Allerheiligsten – gegenüber erlauben zu können?

4. Die vierte Freude, die der Priester bei der heiligen Messe erleben darf, ist das Sehen der heiligen Gestalt.

Erinnern wir uns daran, was der Apostel Johannes schrieb über das „Sehen mit unseren Augen“, aber das „Schauen“ des Wortes des Lebens. Der Glaube heiliger Priester war zuweilen so groß, daß sie den Herrn in der heiligen Eucharistie tatsächlich sahen, als wäre der Schleier des Geheimnisses vor ihren liebenden Blicken durchsichtig geworden.
Aber auch wenn der Priester nichts anderes wahrnimmt als die äußeren Gestalten von Brot und Wein, weiß er: es ist der Herr!
Die Liebe weiß, ohne zu sehen. Es ist die Erfahrung des Evangelisten Johannes, des Liebesjüngers: beim wunderbaren Fischfang auf dem See, nach der Auferstehung, war er der erste, der es begriffen hat und der ausrief: „Es ist der Herr!“ Was für eine wichtige Rolle spielt doch das Sehen in der Liturgie der Kirche! Wie notwendig ist es vor allem, daß wir nach der heiligen Hostie blicken!
Freude, Kraft und Heilung liegen eingeschlossen in diesem Blick auf den Herrn. Das Sehen des Heiligsten bedeutet Heil für die Seele und oft auch für den Leib. Der Anblick der Kupferschlange brachte im Alten Bund den von ihrem Biß Verwundeten Heilung. Im Bild vorausgesagt wurde da, und Johannes betont dies in seinem Evangelium: „Sie werden aulblicken zu dem, den sie durchbohrt haben.“
Selig die Augen des Priesters, die sehen, was sie sehen! Dabei kommt einem das ähnliche Wort des Herrn in den Sinn: „Selig die Augen, die sehen, was ihr seht!“
Von der Konsekration bis zur Kommunion dürfen die Augen des Priesters die Demut des Heilandes in der Gestalt des Brotes schauen. 0 Gnade der sakramentalen Anbetung des ausgesetzten Allerheiligsten!

5. Die fünfte Freude des Priesters, die bei der täglichen Feier der heiligen Messe folgt, ist das Zeigen des Herrn.

Dreimal darf er dies in der heiligen Messe tun: beim Emporheben der Gestalten nach der zweifachen Konsekration; beim Aufruf, das Lamm Gottes anzuschauen: „Seht das Lamm Gottes!“ und dann jedesmal, wenn er die heilige Hostie den Gläubigen reicht:
„Der Leib Christi!“
Es ist seine Freude, wie ein Christophorus das Heil der Welt tragen zu dürfen, es den Gläubigen zu zeigen, und sie zu ermutigen: „Der Herr ist unter uns!“ Er ist das Lamm Gottes, das die Sünden der ganzen Welt, auch unsere, auch meine Sünden hinwegnimmt.
Außerhalb der heiligen Messe ist es seine Freude, das Allerheiligste auszusetzen. Es bei der Prozession feierlich für alle sichtbar zu tragen. Ist das Allerheiligste nicht wahrlich – nach einem schönen deutschen Wort – „das höchste Gut“?
Es ist die Freude des Priesters, allen Notleidenden, allen Seelen, die sich nach Gott sehnen, diesen Trost zu bringen. Wenn die Kirche in diesem Geheimnis verankert ist, wird das Schifflein Petri nicht untergehen, wie unruhig und stürmisch die See auch sein mag.

6. Die sechste Freude des Priesters und zugleich die der Gläubigen ist von neuem einwahrer Höhepunkt: es ist die Vereinigung mit dem Herrn, die heilige Kommunion.

Die Kirche spricht hier von heiliger Kommunion, weil der Empfang des Leibes und Blutes des Herrn in der Tat die Einheit, die Vereinigung, die communio aller Gläubigen mit dem Herrn und durch den Herrn miteinander bewirken. Der Priester empfängt den Herrn als erster, und er gewinnt hierdurch – nach einem vorher zitierten Wort der „Nachfolge Christi“ – selbst zuallererst „Anteil an allen Gnaden“. Aber er darf auch die Seinen mit dieser Nahrung stärken und ist dadurch der größte Wohltäter der Gläubigen.
Ohne Zweifel schafft die Kommunionspendung ein noch tieferes Band zwischen Priester und Gläubigen.
Dem Priester ist es eine Freude, daß er den ihm anvertrauten Christen die für sie so notwendige Nahrung bieten, daß er liebenden Herzen den geliebten Herrn bringen darf.

7. Die siebente Freude des die heilige Messe feiernden Priesters ist schließlich die Realpräsenz, die wirkliche Gegenwart des Herrn.

Der Heiland hat sich in großer Liebe und einem ebenso großen Vertrauen an das Wort des Priesters gebunden. Überall kann der Priester – wenn nötig – das heilige Meßopfer feiern, überall auch – den kirchlichen Vorschriften gemäß – den Herrn eucharistisch bewahren. Wie oft müssen doch die Gläubigen – vor allem in unseren Tagen – die heilige Eucharistie entbehren. Die Kirchen sind tagsüber zumeist geschlossen, Meßfeiern werden immer seltener angeboten, für viele Gläubige besteht keine Möglichkeit, täglich, oder selbst nur sonntags, zu kommunizieren. Der Priester trägt die Gnade seiner Weihegewalt allzeit in sich! Gerade er ist deshalb gerufen, den Eucharistischen Herrn zum Mittelpunkt seines Lebens werden zu lassen: Zeit freizumachen für den persönlichen Besuch des Herrn, für eine tägliche Begegnung mit dem Heiland, wo sein Herz weit wird in der Freundschaft mit Jesus, wo er alle Sorgen mit ihm teilen kann, der uns tröstet und selig macht, wo er erfahren kann, wie dieser als treuer Freund alle Zeit für ihn hat, und er sich dann gedrängt fühlt, auch selbst alle Zeit für ihn zu haben. Eucharistische Priester sind wahre Freunde des Herrn: sie werden weder den Herrn, noch die Gläubigen enttäuschen.
Wollen wir daher, liebe Mitbrüder im Priesteramt, liebe Gläubige, den Herrn um solche eucharistische Priester bitten.

(„Der Fels“, Juni 1985,172-174)

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