h1

Freitag, der 13. Oktober 1307

13. Oktober 2009

Freitag, der 13. Oktober 1307

Heute vor 702 Jahren gelang eine der größten Polizeiaktionen der Geschichte.

Im Morgengrauen umstellten französische Soldaten über 1000 im ganzen Land verteilte Komtureien des berühmten Ritterordens der Templer. 546 Templer wurden bei gleichzeitig durchgeführten Razzien verhaftet.
Den offiziellen Angaben nach entkamen der französischen Staatsgewalt nur zwölf Ritter. Darunter Gerhard von Villers, der Präzeptor Frankreichs. Alle anderen Templer, allen voran ihr Ordensmeister Jaques de Molay, wurden abgeführt.

13_10_1307Was in den nächsten jahren folgte, war ein aufgesetztes Schauspiel, dass an bitterer Lächerlichkeit kaum zu überbieten war. Den Templern wurde der Prozess gemacht, Papst Clemens V. musste, dem französischen König Philipp IV. hilflos ausgeliefert, dabei zusehen und sogar Hilfestellung leisten.
In anderen europäischen Ländern begannen die Herrscher die Verfolgung des Ordens erst nachdem der Papst mit der Exkommunikation drohte. Besonders die spanischen Königshäuser, die noch immer gegen die Mauren im eigenen Land kämpfen mussten, hielten sich sehr zurück. Kein Wunder, waren die Templer doch eine starke Macht, die auf der iberischen Halbinsel unnachgiebig gegen die Mauren vorging.
Doch das Schicksal der Templer war bereits entschieden. Der Prozess wurde sinnlos hinausgezögert, aber im Mai 1310 verbrannten die ersten 54 Ritter auf den Scheiterhaufen.

Das Urteil über die vier höchsten Würdenträger des Ordens behielt sich der Papst selbst vor. Doch als er es verkünden wollte erhob sich Jaques de Molay, widerrief alle Geständnisse, die unter der Folter ausgesagt wurden, erklärte den Orden und seine Sache für heilig und empfing gelassen seine Strafe.

Um die Hinrichtung des Meisters der Templer ranken sich bis heute viele Sagen. Angeblich wurde er langsam auf einer kleinen Flamme verbrannt, damit er nicht zu früh erstickte und die Schmerzen gänzlich ertragen musste. Trotzdem soll er diese Strafe ohne Wehklagen hingenommen haben.
Für die meisten Fragen sorgte aber wohl eine Äußerung des Meisters, die er kurz vor seinem Tode gemacht haben soll. Demnach hat Jaques de Molay angeblich die Verfolger des Templerordens verflucht und ihnen verheißen, dass sie noch binnen Jahresfrist vor den Thron des Allmächtigen die Verantwortung für ihr Handeln tragen müssten.
Dieser Fluch, wenn wir ihn so nenen wollen, wäre sicher keiner Erwähnung wert, wenn der Papst nicht einen Monat später an der Ruhr gestorben wäre. Wilhelm von Nogaret, der Verfasser der Anklageschrift, verstarb noch während des Verfahrens, die Hauptdenunziaten, abgewiesene oder ausgewiesene Temelritter, Verräter also, wurden in den folgenden Monaten erhängt, erdolcht oder erdrosselt vorgefunden.
Allein König Philipp hätte es beinahe geschafft, die Verheißung des Meisters der Tempelritter hinfällig zu machen. Doch auch er entkam seiner gerechten Strafe nicht. Am 14. Dezember des gleichen Jahres starb er an den Folgen eines Reitunfalls.

Advertisements

2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich selbst bin an diesem Thema sehr interessiert. Leider aber erst seit Kurzem, so dass mein Geschichtswissen bzgl. der Templer noch Lücken aufweist.
    Dennoch habe ich auf der Seite des Vatikan folgende Stellungnahme zum Thema gelesen:
    http://asv.vatican.va/de/doc/1308.htm

    Genau gesagt kommen ab hier meine Fragen:
    „Das Urteil über die vier höchsten Würdenträger des Ordens behielt sich der Papst selbst vor. …“

    Gibt es da genauere Quellen? Wie ist da der Zusammenhang zwischen Ihrem Text und dem Pergament des Papstes?

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    GOTTES Segen

    gez.

    Gefällt mir


    • Sehr geehrter Herr Tobehn,

      erst einmal herzlichen Dank für Ihren Besuch und vor allem auch für Ihren Kommentar.

      Einen sehr guten Kommentar bzw. ein hervorragendes Interview kann ich hier empfehlen:
      http://www.welt.de/wissenschaft/history/article1269683/Warum_die_Oberen_der_Templer_sterben_mussten.html
      Herr Heseman von diesem Interview hat folgendes Buch geschrieben:

      Michael Hesemann
      Die Dunkelmänner
      Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte
      Zahlreiche Angriffe und Vorurteile gegen die Kirche und den Glauben beruhen nicht auf Irrtümern, sondern auf beabsichtigten Verzerrungen historischer Tatsachen. Die populärsten „Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte“ werden in diesem Buch kenntnisreich und spannend auf den Prüfstand gestellt – dabei setzt sich der Autor auch mit modernen Mythen wie dem „Jesus-Grab“, dem angeblichen „Judas-Evangelium“ oder der „Päpstin Johanna“ auseinander. Ein Buch für alle, die wissen wollen, wie es wirklich ist.

      ISBN 978-3-86744-016-5
      gebunden, 208 Seiten, 135 mm x 215 mm,
      EUR 19,90 (D), sFr 34,50, EUR 20,50 (A)

      Hier können Sie gerne eine Buchbesprechung lesen:
      http://de.netlog.com/groups/Tempelritter/forum/messageid=577002

      Auf jeden Fall handelt es sich bei der Verfolgung, Verhaftung und Hinrichtung der Templer um eines der größten Ungerechtigkeiten der Geschichte, von dem „Justizirrtum“ ganz zu schweigen, denn immerhin wurden die Tempelritter mit diesem „Chinon-Dokument“ frei gesprochen und rehabilitiert, jedoch trotzdem ausgelöscht, weil der Papst (Clemens V.) dem franz. König hörig war und dessen Willen vollkommen ausgeliefert.

      Herzlichen Gruß,

      Heinrich

      Gefällt mir



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: