h1

Der Berliner Dom

10. Oktober 2009

Prunk, pracht, Protz:

Der Berliner Dom

Dem Bau fehlt jede Bescheidenheit. Manche nennen ihn unbeschreiblich, viele nennen ihn unbeschreiblich klotzig. Die Kirche strahlt reine Repräsentation aus und ihre Erbauer wollten am Ende des 19. Jahrhunderts auch nicht viel weniger, als eine, wenn nicht die Hauptkirche des Protestantismus schaffen. Dabei stand der Dom nicht nur für den Protestantismus sondern auch für einige seiner größten Beschützer, die Fürsten, Könige und Kaiser aus den Hause Hohenzollern, die seit dem Mittelalter über Brandenburg, Preußen und schließlich das deutsche Kaiserreich herrschten. Die Hohenzollern wählten das direkt neben dem 1950 abgerissene Berliner Stadtschloss gelegene Gotteshaus auch als ihre Grablege.

Die Geschichte des Doms reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, allerdings nicht am heutigen Ort, welches zu der Zeit noch ein recht sumpfiges Gelände direkt gegenüber des Nordendes der Spreeinsel war. 1450 weihte man im gerade fertiggestellten kurfürstlichen Schloss eine Kapelle, die dem heiligen Erasmus zum Patron hatte. 1465 wurde diese Kapelle zum Kollegiatsstift und damit zur Domkirche erhoben.

1535 ließ Kurfürst Joachim II. die südlich des Schlosses gelegene Dominikanerkirche zur Hofkirche umbauen. Die Dominikaner mussten in die Stadt Brandenburg umziehen. Die mittelalterliche, gotische Kirche wurde ausgebaut und war bereits zur fürstlichen Grablege bestimmt.

1539 wechselte Joachim II. zum evangelischen Glauben und führte somit die Reformation in Brandenburg ein. Die Hofkirche wurde zu einem evangelischen Dom. 1608 löste man schließlich auch das Domkapitel auf. Der Dom wurde zur obersten Pfarrkirche der Stadt Cölln.

Mitte des 18. Jahrhunderts war die gotische Kirche baufällig. König Friedrich II., genannt der Große, veranlasste am heutigen Standort den Bau einer neuen Domkirche, die zwischen 1747 und 1750 errichtet wurde. Die alte Kirche riss man ab, nachdem die Särge aus der Gruft in ihre neue Grablege überführt waren. Architekt des Neubaus war der Niederländer Johann Boumann der Ältere. 1750 wurde der neue Dom geweiht.

Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete Karl Friedrich Schinkel den Dom im Stil des Klassizismus um. 1822 waren die Arbeiten dazu abgeschlossen. Doch schon bald setzte eine Diskussion ein: der Dom sei viel zu „bescheiden“. König Friedrich-Wilhelm IV. beschloss also den Neubau. Die Pläne sahen eine zweitürmige Basilika vor, die über ein dreischiffiges Langhaus verfügen sollte. Mit dem Entwurf wurde Friedrich August Stühler beauftragt.

Tatsächlich wurde der Grundstein gelegt und es standen schon Teile der Apsiden und der Grundmauern, als 1848 aus Geldmangel die Bauarbeiten zum Erliegen kamen. Erst nach der Reichsgründung 1871 kamen dann neue Rufe nach einen besonders repräsentativen Gotteshaus auf. Diesmal wurde Julius Raschdorff, der als Professor an der Technischen Hochschule in Charlottenburg tätig war, mit Planung und Ausführung beauftragt. Jedoch erst Kaiser Wilhelm II. veranlasste tatsächlich den Abriss der barock-klassizistischen Kirche. Am 17. Juni 1894 wurde der Grundstein für den neuen Dom gelegt. Fünf Jahre später, 1905, konnte der fertige Dom eingeweiht werden. 11,5 Millionen Mark, die komplett vom Staat bezahlt worden waren, kostet der Monumentalbau in einem eklektizistischen Stilgemisch aus italienischer Hochrenaissance und Barock. Die ganze Bauzeit über hatte sich Wilhelm II. vorbehalten, in die Pläne eingreifen zu können. So ließ er die Pläne für die Innenraumgestaltung ändern und setzte für die Ausmalung seinen eigenen Hofmaler durch. Aus dem alten Dom fand nur der Hauptaltar Verwendung, ein Werk Stülers von 1850.

Auch der Dom überstand den Zweiten Weltkrieg nicht unbeschadet. Im Juni 1944 stürzte nach einem Brand die Kuppellaterne ins Innere, durchschlug den Boden und beschädigte die Hohenzollerngruft. Die Kuppel jedoch konnte sich halten, hatte aber nun ein großes Loch, durch welches das Wetter die Kuppelmosaiken weitestgehend zerstören konnte. Bereits 1949 beschloss die Berliner Stadtverordnetenversammlung jedoch einige Baumaßnahmen als Soforthilfe, die 1953 abgeschlossen waren. Die Domgemeinde konnte zunächst nur die Nebenräume nutzen.

Ab 1974 begann die Wiederherstellung des Außenbaus. Zunächst riss man die Denkmalskirche an der Nordseite des Gebäudes ab. Der Anbau hatte den Krieg unbeschadet überstanden. Die Steine des Anbaus lagern noch heute auf einem Grundstück im Berliner Stadtteil Köpenick.

Nach dieser nicht ganz gelungen Rekonstruktions-Maßnahme begann man jedoch 1975 damit, die Kuppel wiederaufzubauen, aber in stark vereinfachter Form. So bekam der Bau ein völlig neues gestaltetes Kuppelkreuz. Auch die vier Nebenkuppeln des Doms wurden verändert, verloren 16 Meter ihrer Höhe und alle Abschlusslaternen. Nachdem 1983 derart die Außenarbeiten abgeschlossen werden konnten, besann man sich auf den Innenraum. 1993 wurden dann auch die aufwendige Rekonstruktion des Innenraums beendet, wobei die farbigen Glasfenster im Altarbereich und die Rekonstruktion der Kuppelmosaiken erst 2002 abgeschlossen waren. Während der Sanierung wurde auch die große Sauerorgel komplett durchgereinigt.

Das Innere des Predigtkirche genannten Hauptraumes des Doms, wird beherrscht von einem Zentralraum über einem Achteck und unter der Kuppel. Gerahmt wird der Raum von Pfeilern, denen Pilaster vorgesetzt sind. Über den Pilastern werden acht wichtige historische Persönlichkeiten des Protestantismus mit Standbildern geehrt: Martin Luther, Philipp Melanchthon, Fürst Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, Kurfürst Joachim II. von Brandenburg sowie Herzog Albrecht von Preußen. Oberhalb der Figuren zeigen Reliefs Episoden aus der Apostelgeschichte: die Steinigung des Stephanus, die Bekehrung des Apostels Paulus, Paulus in Athen und die Heilung des Lahmen durch Petrus und Johannes. In den halbkugeligen Gewölben der vier Ecken, unter anderem über der Kanzel, finden sich in Mosaiken die vier Evangelisten dargestellt.

Der Altarraum ist über dem Kirchenraum durch sieben Treppenstufen erhöht. Die drei Hauptfenster enthalten in Glasgemälden dargestellt die Geburt Jesu, die Kreuzigung und die Auferstehung. Der von Stüler entworfene Altar besteht aus weißem Marmor und Onyx. Dahinter steht die Apostelwand, die Figuren der zwölf Apostel beitzt und ursprünglich auf eine Entwurf von Schinkel zurückgeht. Im Altarraum befindet sich auch noch eine Taufe, die von Christian Daniel Rauch entworften wurde. Die Kanzel ist eine Holzschnitzarbeit, die nach einem Entwurf des Sohns des Kirchenarchitekten, Otto Raschdorff, entstand.

Die große Kuppel erstreckt sich 70 Meter über dem Hauptraum. In ihrem Zentrum wird sie von einer glasgemalten Taube beherrscht, wodurch die Anwesenheit des Heiligen Geistes symbolisiert wird. Die Mosaiken darunter – jedes ist 39 Quadratmeter groß und setzt sich aus 500.000 Steinchen in bis zu 2.000 Farbschattierungen zusammen – zeigen die Seligpreisungen aus der Bergpredigt.

Die Sauerorgel mit ihren 7269 Pfeifen und 113 Registern galt 1905 als größte Orgel Deutschlands und gleichzeitig als modernste. Die Domorgel war die letzte aus der Tradition der romantischen Großorgeln, die den Umfang eine Sinfonieorchesters besitzen sollten. Sie ist auch die einzige noch weitestgehend im Originalszustand erhaltene Orgel dieser Art.

Der Berliner Dom verfügt neben der Predigtkirche noch über eine Tauf- und Traukirche, die durch den Hauptraum zu erreichen ist. Der wesentlich kleinere, tonnengewölbte Raum ist auch in seiner Ausstrahlung einfacher oder schlichter als der übrige Dom.

Am Zugang zur Tauf- und Traukirche stehen die Sarkophage König Friedrich I. (1657-1713) und dessen Gattin Sophie Charlotte, die als letzte Werke Andreas Schlüters gelten. In der Predigtkirche finden sich auch der Sarkophag Kurfürst Johann Ciceros (1455-99), welches 1525 von Peter Vischer d.Ä. ausgeführt wurde und die Prachtsarkophage von Kurfürst Friedrich Wilhelm der „Große Kurfürst“ (1620-88) und dessen Frau Dorothea, vermutlich nach Entwürfen des Johann Arnold Nehring (1659-95) ausgeführt. Seit 1888 steht auch der Sarkophag Kaiser Friedrich III. hinzu, der im selben Jahr nach nicht einmal hundert Tagen Amtszeit verstorben war.

Neben diesen Sarkophagen befinden sich in der Hohenzollerngruft unterhalb der Kirche noch 94 weitere Bestattungen vom Ende des 16. bis zum Anfang des 20. Jahrhundert. Einige der Särge stellen bedeutende Kunstwerke der jeweiligen Zeit dar.

Heute ist der prunkenden und protzende Dom direkt am Lustgarten und neben dem Alten Museum Schinkels Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin und regelmäßige Predigtstätte des Landesbischofs.

aus: www.kirchengucker.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: